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Domo arigato, Mr. Roboto

Domo arigato, Mr. Roboto

Projektleiterin

„Besonders hervorzuheben ist das grafische Muster. Sie hat einen optisch streckenden V-Ausschnitt. Am Armabschluss haben die halblangen Ärmel der Bluse Gummizug. Mit Raffung am Ärmel. Aus fließend, weichem Material.“

Zugegeben, diese Beschreibung einer Bluse im Online-Shop eines unserer Kunden wird sicherlich nicht für den Pulitzer Preis vorgeschlagen – aber immerhin bietet der Text alle wichtigen und richtige Informationen. Geschrieben hat die Sätze kein Mensch, sondern ein selbst lernendes Computerprogramm – künstliche Intelligenz (KI) machts möglich. Ein sogenannter Textroboter greift dafür, algorithmisch gesteuert, auf Informationen aus Datenbanken und vorhandene Textbausteine zurück.

„Konzentriere dich auf das, was wirklich zählt: Inhalte, Sprachstil, Wording. Den Rest erledigt unsere Software.“

Muss ich mir nun Angst um meinen Arbeitsplatz als Redakteurin machen? Anbieter von Text-Software versuchen mich und meine Kolleginnen zu beruhigen: „Konzentriere dich auf das, was wirklich zählt: Inhalte, Sprachstil, Wording. Den Rest erledigt unsere Software.“ Geschenkt, dass uns der Maschinenmensch duzt. Und in schnelllebigen Zeiten kann es ja durchaus hilfreich sein, wenn der Kollege Roboter schon mal die Vorarbeit leistet. Zum Beispiel dort, wo Nachrichten fast im Sekundentakt anfallen. Denn letztlich lassen sich alle Texte, für die Daten strukturiert vorliegen, auf diese Art erstellen, zum Beispiel Sport, Wetter, Verkehr, Wirtschaft, Termine und so weiter.

Kein Wunder also (auch das könnte übrigens auch eine automatisch generierte Floskel sein!), dass einfache Sport- oder Wirtschaftsmeldungen heute bereits vielfach von Programmen geschrieben werden. Beispiel gefällig? Das Fußball-Portal transfermarkt.de lässt inzwischen alle Meldungen zu Zweitligisten automatisiert erstellen und auch Nachrichtenagenturen wie AFP versenden jedes Jahr Tausende software-genierte Meldungen. Selbst für die Online-Ausgaben renommierter Zeitungen wie die New York Times oder Washington Post arbeiten Textroboter.

Nach einem ähnlichen Prinzip funktionieren auch Chatbots. Wenn Sie also das nächste Mal im Web ein Angebot sehen wie „Chatten Sie live mit einem Mitarbeiter“, muss nicht immer ein Mensch dahinter stehen.

Übrigens, vor einigen Jahren bot das MS-Office-Programm „Word“ noch eine kleine, doch interessante KI-Funktion: das Auto-Zusammenfassen. In den Versionen von 2003 bis 2010 konnte man einen Text per Mausklick auf die gewünschte Länge zusammenfassen lassen. Das Ergebnis hatte oft eine recht erstaunliche gute Qualität und ging nicht selten – mit wenigen  Anpassungen – bei unserer internen Redaktionsleitung durch. Unverständlicherweise gibt es den Menüpunkt seit 2011 nicht mehr. Wo doch jetzt alle Welt auf KI setzt.

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